Heilpädagogisches Reiten

Heilpädagogisches Reiten HPR

Im Bereich des Heilpädagogischen Reitens wird der Mensch im Umgang mit dem Pferd und dem Reiten ganzheitlich angesprochen: körperlich, emotional, geistig und sozial. Die Beziehung zum Pferd spielt im Heilpädagogischen Reiten die tragende Rolle. Der Reittherapeut fördert im Beziehungsdreieck „Klient-Pferd-Reittherapeut“ den konstruktiven Umgang miteinander. Lern-Erfahrungen können auf die Gruppe übertragen und geübt werden. Persönliche und soziale Entwicklung sind das Ziel. Zum HPR gehört daher wesentlich das Aufbauen einer Beziehung zum Pferd.

Die Umsetzung erfolgt durch den direkten Kontakt und Umgang mit dem Pferd, das Pflegen des Pferdes, Übungen am und auf dem geführten Pferd, Arbeit im Stall, mit einem Menschen oder in Gruppenarbeit, für Fortgeschrittene beim Reiten und bei Projekten (Reiterspiele, Geländereiten).

Auf dem an der Hand oder an der Longe geführten Pferd werden gymnastische Übungen und Geschicklichkeitsspiele ausgeführt. Der Bewegungsrhythmus des Pferdes hat eine lockernde, ausgleichende und angstlösende Wirkung, gleichzeitig spricht er auf vielfältige Art und Weise die Wahrnehmung des Reiters an. Durch individuelle Therapieplanung können die individuellen Problematiken gezielt auf die Anforderungen der jeweiligen Behinderung oder Störung abgestimmt werden.

 

Welche Bereiche fördert HPR?

Das Bedürfnis nach körperlicher Nähe kann mit dem Pferd ausgelebt werden.

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Für den Sozialpsychologen Argyle (1982, S. 169), sind Körperkontakte und Berührungen die
ursprünglichste Form der sozialen Kommunikation.

Durch das Umgehen mit Putzwerkzeugen werden
Hand-Augenkoordinationen gefördert.

 

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Wenn man ein Pferd führt, muss man Verantwortung übernehmen.

 

Das Pferd ist ein Fluchttier und braucht unsere Sicherheit:

  • Man muss ein Ziel haben
  • Man muss vorausschauen

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Förderung des Selbstwertgefühls: Im HPR gibt es immer wieder Situationen, in denen man Mut aufbringen und Ängste überwinden muss:

  • Annähern
  • Berühren
  • Führen
  • erstes mal aufsitzen
  • erstes mal traben
  • Galoppieren
  • erstes Mal allein reiten, etc.

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Umgehen lernen mit einem so grossen und starken
Tier wie dem Pferd und Ängste überwinden in einem
sicheren Umfeld, stärken das Selbstvertrauen.

Um sicher zu sein, muss man das Tier in seinem
Verhalten kennen lernen und Regeln einhalten
können.

Der Gleichgewichtssinn wird beim Reiten ständig
trainiert (Stimulation des vestibulären Systems).

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„Viele Kinder sind geradezu „verrückt“
nach Stimulation solcher Art. Sie bekommen einfach nicht genug vom Karussell fahren, Schaukeln, Drehen und Purzelbäume schlagen Reiten, auf dem Pferd sitzen, ist eine ständige Gleichgewichtsübung, eine fortwährende Stimulation des vestibulären Systems.

„Reiten macht glücklich“
(Pietrzak, 2001)

 

Beim Reiten wird der ganze Körper mit einbezogen und bewegt:

Schritt            (Viertackt)     – beruhigende Wirkung
Trap   (Zweitakt)      – beschwingt
Galopp (Dreitakt)    – erfordert Mut und gibt ein Hochgefühl

Mit der Schulung des Gleichgewichts, wird auch gleichzeitig an der Wahrnehmung gearbeitet, hängt das Eine mit dem Anderen eng zusammen.
Tastsinn, Geruchssinn, Eigenwahrnehmungssinn wie auch der Sehsinn werden angesprochen.

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HEILPÄDAGOGISCHES REITEN wirkt als unterstützende Förderungsmassnahme bei:

  • Entwicklungsstörungen
  • Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Mangelndem Körperbewusstsein
  • Verschiedener Formen psychischer & psychosomatischen Erkrankungen
  • Mangelndem Selbstbewusstsein & Durchsetzungsvermögen
  • Lern- und geistiger Behinderung
  • Verhaltensauffälligkeiten verschiedener Ursachen, unter anderem AD(H)S-Syndrom, Autismus
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Problemen in der sozialen oder emotionalen Entwicklung
  • Minimalen cerebralen Bewegungsstörungen
  • Störungen in der Wahrnehmung
  • Verschiedenen Formen psychischer und psychosomatischer Erkrankungen (z.Bsp. Anorexie/Bulimie)